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11.11.2026, 19:00 Uhr

Kann eine Maschine trösten?

Eine interaktive Talk-Arena im Stil von „Die 100“ über emotionale KI-Nutzung, mit Ulrich Hemel und Christoph Koch.

Wenn über Künstliche Intelligenz gesprochen wird, geht es meist um Produktivität. Daneben hat sich fast unbemerkt eine zweite, sehr viel privatere Nutzung entwickelt. Menschen erzählen Chatbots von ihrem Liebeskummer, von der Angst vor dem Jobverlust oder von einem Todesfall in der Familie. Eine Studie der Harvard Business Review führt „Therapie und Freundschaft“ inzwischen als häufigsten Anwendungsfall generativer KI. Auch in Deutschland ist das keine Randerscheinung: Mehr als ein Viertel der Befragten gab in einer YouGov-Umfrage an, KI-Chatbots schon einmal als emotionale Unterstützung oder psychologische Begleitung herangezogen zu haben.

Manche finden darin eine Entlastung. Ein Gegenüber, das jederzeit erreichbar ist, nie genervt reagiert und nichts weitererzählt, kann Einsamkeit lindern und den Weg zu professioneller Hilfe ebnen. Andere sehen darin eine Zumutung: Maschinen, die Zuwendung simulieren, ohne selbst etwas zu empfinden. Beide Seiten haben gute Argumente. Genau deshalb lohnt sich die Diskussion darüber.

Erleben Sie eine interaktive Talk-Arena im Stil von „Die 100“ (NDR). Der Theologe und Wirtschaftsethiker Ulrich Hemel sowie der Journalist und Sachbuchautor Christoph Koch halten kurze Plädoyers für ihre jeweilige Position, dazwischen kommt das Publikum zu Wort. Sie als Mitspielerinnen und Mitspieler entscheiden im Saal, wessen Argumenten Sie eher folgen wollen, und bewegen sich nach jedem Statement auf dem „Spielfeld“ zwischen den beiden Positionen. So wird sichtbar, wie Argumente wirken und wo Überzeugungen ins Wanken geraten. Am Ende geht es weniger um ein Ergebnis als um die Frage, was wir eigentlich von diesen Systemen erwarten.

Kostenlos

Darüber möchten wir diskutieren:

  • Was genau passiert, wenn eine Maschine Empathie vorspielt, und warum wirkt das auf uns, obwohl wir es besser wissen?
  • Kann emotionale KI ein Mittel gegen Einsamkeit sein, oder gewöhnt sie uns an eine reibungslose Nähe, die menschliche Beziehungen anstrengend erscheinen lässt?
  • Was bedeutet es für Kinder und Jugendliche, wenn sie ihre ersten Erfahrungen mit Zuwendung und Zurückweisung an einem System machen, das immer zustimmt?
  • Wer haftet, wenn ein Chatbot in einer Krise das Falsche sagt, und welche Regeln brauchen Anbieter, die mit Gefühlen Geld verdienen?
  • Was sollten wir Maschinen auf keinen Fall überlassen?

 

Ulrich Hemel ist katholischer Theologe, Wirtschaftsethiker und Unternehmer. Von 2018 bis 2025 leitete er das Weltethos-Institut an der Universität Tübingen. 2009 gründete er das Institut für Sozialstrategie, zuvor war er in der Wirtschaft tätig, unter anderem als Vorstandsvorsitzender der Paul Hartmann AG. Als stellvertretender Sprecher des Public Advisory Board des Cyber Valley begleitet er die KI-Forschung in der Region seit Jahren aus ethischer Perspektive. In seinem Buch „Kritik der digitalen Vernunft“ (Herder 2020) fordert er, Humanität zum Maßstab der digitalen Transformation zu machen.

 

Christoph Koch ist Journalist und Sachbuchautor. Er schreibt unter anderem für brand eins, Die Zeit und den Harvard Business manager, häufig über Digitalisierung und Psychologie im Alltag. Zuletzt erschien von ihm „Hallo, wie fühlst du dich heute? Wie künstliche Intelligenz unsere Beziehungen verändert“ (Kein & Aber 2026). Für die Recherche sprach er mit Menschen, die KI-Systeme bereits als Freundinnen, romantische Partner, Therapeutinnen oder Coaches nutzen. 2025 verbrachte er als „Journalist in Residence“ drei Monate in Tübingen, sprach mit Forschenden aus Informatik, Psychologie und Ethik. Bekannt wurde Koch mit dem SPIEGEL-Bestseller „Ich bin dann mal offline“.

Moderation: Frank Müller und (N.N.)